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30. Mai 2010, 21:16 Uhr, Minu

Erinnerungen

Des Menschens grösstes Laster ist wohl seine Erinnerungskraft. Erinnerungen, welche ihn an durchlebte Träume, gewonnenes Glück und vermeintliche Liebe erinnern. Erinnerungen, mit welchen die Spuren der Sehnsucht noch tiefer einzudringen vermögen und einem den Weg zurück ins Leben zur unüberwindbaren Hürde werden lassen.
Es waren seine Augen, welche mich nie belogen hätten und mir so manchmal sogar zu viel Wahrheit verrieten. Seine Frohnatur, welche sich nie vom Glauben an das Gute abgewendet hätte und mich noch heute zum Schmunzeln brächte. Seine Leidenschaften und Träume, welche er hegte und pflegte und von denen er nie abgebracht worden wäre. Seine Lippen, welche keinen Moment ohne Lachen zugelassen hätte. Vielleicht aber einfach nur er, welcher für niemanden perfekt schien , es jedoch für mich war.
Die Erinnerungen an ihn durchbohren mich, in schlaflosen Nächten, einsamen Zeiten oder traurigen Momenten. Wie er meine Hand hielt, meine Stirn küsste, mein Kopf streichelte. Mich zum Lachen brachte, das Vertrauen in mir weckte, mein Herz berührte – ich erfuhr durch ihn die Vollkommenheit des Glückes. Bis er es mir entnahm.
Das Spiel war zu ende ohne dass es richtig begonnen hatte, der Kampf vollführt ohne richtig gekämpft zu haben, die Verlierer ohne dessen Wissen bestimmt.
Doch wie kann man verloren haben, obwohl man zu kämpfen nicht verstand? Zu wenig zu sein, obwohl man alles gegeben hat, was man ist, scheint nicht glaubwürdig. Lieb gehabt zu werden, wenn man selbst liebt scheint nicht genug. Freunde zu sein, wenn man dem anderen verfallen ist scheint nicht machbar. Immer auf der Suche zu sein und nie zu finden scheint nicht gerecht. Da fragt man sich doch, wenn jeder seines Glückes eigener Schmied ist, was tut dann ein schlechter Schmied?
Und ich warte auf die Landung meines Sturzes, auf die Wende am tiefsten Punkt. Auf den Moment der Besinnung, in der ich erkenne, dass er es nicht gewesen wäre. Sollte nach dem Freienfall nicht der Aufprall kommen?
Was, wenn er nicht kommt? Was wenn du ganz alleine fällst und es kein Ende zu nehmen vermag? Wo bleibt dann der Held, welcher uns vor all dem Bösen bewahren sollte? Der Ritter, welcher der Prinzessin die Freiheit gewährt, der Krieger, welcher sein Weib bis zum Tode verteidigte oder die Fee, welche drei Wünsche zu erfüllen vermag?
Doch die Geschöpfe unserer kindlichen Fantasie scheinen in der Welt des Erwachsenwerdens abwesend zu sein.
Wie ernst kann man denn das Leben noch nehmen, wenn es einem Aufgaben gibt, welche es ohne Helden zu bestehen gilt, wenn es von einem erwartet nach einem schweren Aufprall noch Hürden zu überwinden?
Ohne Helden oder Landungen, ohne Siege und Funde. Es bleibt dir nur der Glaube, dass eines Tages die Zeit alle Wunden verheilen wird, deine Erinnerungen verblassen werden und dir das Vertrauen zurückschenken wird, womit die Geschichte von Neuem beginnen kann.

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